Liveblog: Python vs. Sat1

Willkommen! Wozu Liveblogs? Wozu mein Ego in Echtzeit vor einer Leserschaft ausbreiten, die mit ein wenig Anstrengung demnächst die Null von unten erreichen könnte? Um letzteren Zustand zu ändern! Ich präsentiere: der sinnloseste Liveblog in der Geschichte des Webzwonull!
Heute verbinde ich die zwei Dinge, die ich am allerwenigsten mag: Fernsehen und Arbeiten! Während Barbara Salesch Recht und Ordnung unter den kamerageilen Sozialhilfeempfängern Kölns wiederherstellt, werde ich knifflige Aufgaben mit meiner Lieblingsprogrammiersprache lösen. Dank Matetee läuft mein Geist auf Hochtouren und ich werde alle Konzentration darauf verschwenden! Der praktische Nutzen wird zwar gleich Null sein, aber so ist zumindest die Zeit zwischen den SQL-Abfragen überbrückt… here we go…

I am settled, and bend up
Each corporal agent to this terrible feat.

(Wer das Zitat rät, kriegt ein Bienchen. Ist gleich der erste Googlehit.)

14:45 Bin mit dem Laptop ins Wohnzimmer umgezogen. Der eigentliche Grund dafür ist, dass mein Schreibtisch im Arbeitszimmer unter dem ganzen darauf befindlichen Zeug zu kollabieren drohte, und ich das alles nun in einem neuen Zimmer verteilen will.

14:56 Fernseher läuft. Das war gar nicht so einfach, denn wir besitzen einen passiven Kabelanschluss, der quasi nie benutzt wird – da musste erstmal ein Kabel hinterm Sofa hervorgefischt werden. Nix verpasst: das Gequatsche von Frau Kallwass muss nich sein. Dann doch lieber Python.

15:01 Startschuss! Mord! Juhu! Und die Protagonistin hat nichtmal Hauptschulabschluss! Ich vermute mal, im wirklichen Leben auch…

15:02 Das traurige Opfer wurde mit einem Aschenbecher erschlagen – Rauchen gefährdet die Gesundheit…

15:04 Derweil steht auch der Algorithmus, den ich in liebevoller Kleinarbeit aus den Daten gefummelt habe… mal schaun ob’s klappt.

15:06 Jassens bringen all Ihren Schmuck zu Kai Diekmann? Hab ich mich verhört? Endlich wird klar, wie sich die Bildzeitung finanziert…

15:10 “Ich wollte sie einstellen… Wenn ich mir überleg: wir könnten schon tot sein!” – “Ja das geht manchmal schnell, wenn man ohne zu kucken über ne Straße geht…” Ich liebe den feinen Humor der rothaarigen Richterin!

15:13 Erstaunlich, dass diese entsetzlich dumme, lispelnde Zeugin so flüssig die Konstruktion “…die du ihr schenktest…” über die Lippen brachte.

15:16 “Wenngleich ich das auf die geschäftliche Situation mal so zurückführen mag…” Wer schickt den Drehbuchautor in die Klapse? Bitte!

15:17 Ohooo! Ein spannender Nebenplot! Ein offensichtlicher Diebstahl! Juhu! Neuer Testlauf für die Pythonfunktion.

15:21 Der Penner geht mir auf’n Senkel. Und die blöde Streiterei. Ich bin kurz davor, weiterhin die stummgeschaltete Sendung zu kommentieren.

15:24 Werbung. Neuer Funktionsprototyp. Mal schaun, was der Statistikdurchlauf sagt.

15:27 Ich hatte schon ganz vergessen, wie viel langsamer mein Laptop gegenüber dem Arbeitsrechner ist. Ach du je. Während das Skript hochgerechnet noch ca. eine Stunde laufen wird, sehen wir Werbung für die Nachmittagsgerichtsshow-Zielgruppe: “Ich möchte wieder in den Apfel beißen können…” Als Pythonprogrammierer vorm Programm von Sat1 muss man in viele saure Äpfel beißen, da ist die richtige Zahncreme Gold wert!

15:31 Oho! Das Dreißigsekundenskript ist doch schon nach fünf Minuten fertig geworden! Weiter geht’s. Statistik und neue Zeugenvernehmungen.

15:33 Ach du je, ist diese Putzfrau mal klischeehaft.

15:38 Hmm. Komisches Ergebnis. Kleine Änderung und noch ein Testlauf.

15:40 Die ersten Fake-Tränen, gleich kommt bestimmt entweder hysterisches Gezeter oder ein Nervenzusammenbruch. Ich freu mich schon.

15:41 Der Böse heißt Mark Stein! Ob das so in Ordnung ist?

15:47 Prima, das sieht doch schonmal gut aus. Jetzt nur noch die letzten Ausreißer filtern und mal schaun, wozu die Semikolons benutzt werden. Ich bekomme eine leise Ahnung, was die Leute durchmachen, die Grammatikprüfungen implementieren.

15:50 Neue SQL-Abfrage, Werbung, Hunger. Wo krieg ich was zu essen her?

15:55 Ok, gibt ja nicht so viele Semikol…ons? …i? …a? Eine kleine Korrektur dazu, dann noch nach böhsen Buben durchsuchen, dann sollte es klappen.

15:57 Da ist endlich der Nervenzusammenbruch! Zusammen mit dem dramatischen und völlig unerwarteten Ende.

16:00 Puh, geschafft. Fernseher aus, Kabel raus. Und jetzt wieder schön in Ruhe programmieren…

Die Livebloggung hatte einen Sinn: ich habe herausgefunden, warum das noch niemand vor mir gemacht hat, und vermutlich auch niemand nach mir machen wird. Laaangweilig! Neeervtötend! So, damit habe ich nun sogar mich selbst als Admin von diesem Blog abgeschreckt, alle potentiellen Leser erst recht. Manu, mach was! Manu? Manu??

5 thoughts on “Liveblog: Python vs. Sat1

  1. Umkehrschluss: Nichtrauchen rettet Leben! Wenn mein Freund einen Aschenbecher hätte, würde das Kind da draußen vielleicht nicht mehr mit seinem Basketball meinen Mittagsschlaf stören…

  2. Mit jedem Eintrag wächst mein Verlangen, in Gesellschaft einer Schlange Gerichtsshows zu schauen! Stattdessen hat mich gerade ein Nashörnchen bei “Just4Fun” besiegt (es hatte aber auch die besseren Karten).

  3. Ich schätze, der Ermoderte tritt irgendwann als Überraschungszeuge auf… Ist das bei Sat1 nicht immer so?

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