{"id":75,"date":"2011-05-19T09:00:35","date_gmt":"2011-05-19T07:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/?p=75"},"modified":"2013-04-24T13:10:59","modified_gmt":"2013-04-24T11:10:59","slug":"uber-lebenshilfe-firmenfeiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/uber-lebenshilfe-firmenfeiern\/","title":{"rendered":"(\u00dcber-) Lebenshilfe: Firmenfeiern"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem \u00dcberleben fremder Hochzeiten schneide ich nun ein noch kniffligeres Thema an: das \u00dcberleben von Feierlichkeiten, die in F\u00f6rmlichkeiten ertrinken, weshalb man versucht, das Problem mit Sekt wegzusp\u00fclen, was nicht selten im Desaster endet. Exklusiv und nur hier lassen wir euch all unsere Weisheit zuteil werden und helfen, die schwierigen Stunden ohne gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den zu \u00fcberstehen.<\/p>\n<p><strong>Teil 1: Ankunft und Sektempfang<\/strong><br \/>\nDie clevere Strategie bez\u00fcglich des Timings ist erstaunlicherweise <em>nicht<\/em>, m\u00f6glichst sp\u00e4t zu kommen, um das Drama aufs n\u00f6tigste zu reduzieren, sondern das genaue Gegenteil. Am besten tr\u00e4gt man Schuhe, in denen man bequem eine Weile (im Sinne von mehreren Stunden) stehen kann, dann ist es durchaus empfehlenswert, gleich als erster zu erscheinen &#8211; so entf\u00e4llt das l\u00e4stige Wandern durch den Saal, um allen die Hand zu geben, sich vorzustellen\/vorstellen zu lassen und einige oberfl\u00e4chliche Worte zu wechseln. Wer als erster kommt, \u00fcberlasst anderen den Spa\u00df, herumzuwandern, und l\u00e4sst sich einfach eine halbe Stunde lang von lauter Leuten besuchen, auf deren Seite dann der Zonk liegt, gr\u00fcbeln zu m\u00fcssen, ob man sich wom\u00f6glich schon kennt, und ein angemessenes Smalltalk-Thema zu w\u00e4hlen. Und man kann l\u00e4nger Sekt trinken! (Hierf\u00fcr kann es ratsam sein, schon vor der eigentlichen Feier mithilfe eines Leberwurstbr\u00f6tchens o.\u00e4. eine kleine Grundlage zu schaffen.)<\/p>\n<p><strong>Teil 2: Gru\u00dfworte<\/strong><br \/>\nSp\u00e4testens hier kann man diese Grundlage (s.o.) dann gut gebrauchen. So bleibt man fr\u00f6hlich, wenn der Durchschnittspartygast bereits von mehreren Stunden Stehen, Trinken und dezentem H\u00fcsteln (infolge der Abwesenheit angemessener Smalltalk-Themen) v\u00f6llig ersch\u00f6pft und ausgehungert ist. Dass der Chef eine Rede halten will, versteht sich von selbst; ferner die Gesellschafter, einige Manager, ein paar besonders <span style=\"text-decoration: line-through;\">zufriedene<\/span> angetrunkene Kunden und schlie\u00dflich auch Vertreter von Stadtrat, Kirchenrat und Elferrat. Das wird weitere knapp zwei Stunden in Anspruch nehmen, die sich durch die eindringliche Untersuchung der zu Dekorationszwecken auf dem Tisch platzierten Naschereien leicht \u00fcberbr\u00fccken lassen.<\/p>\n<p><strong>Teil 3: Der Sturm auf die Bastille&#8230; \u00e4h, das Buffet<\/strong><br \/>\nInnerhalb der f\u00fcr weitgehend inhaltsleere Beatmung verbrauchten Zeit d\u00fcrfte immerhin das Buffet fertig aufgebaut worden sein. Hier sind Nahrungsmittel vom Gegenwert einer nicht zu verachtenden Gehaltserh\u00f6hung aufgebaut, die es mit vereinten Kr\u00e4ften zu vernichten gilt. Es bietet sich an, sich nicht strikt an die Speisenfolge zu halten, da am Anfang beim Hauptgericht wenig Andrang herrschen wird, w\u00e4hrend sich sp\u00e4ter die Menschentraube in der N\u00e4he der Vorspeisen vermutlich aufl\u00f6st.<br \/>\nMerke: nur weil ein Essen teuer ist, schmeckt es nicht automatisch gut, also ist bei der Auswahl Vorsicht geboten &#8211; was mit kurzsichtigem Auge und optimistischem Magen als Bulette durchgeht, k\u00f6nnte sich sp\u00e4ter leicht als frittierte Auberginenscheibe erweisen. Die Suche nach dem Dessert ist aussichtslos, denn dieses wird bis nach Mitternacht zur\u00fcckbehalten, um die hartn\u00e4ckigen Esser am vorzeitigen Verlassen der Veranstaltung zu hindern (Chef) und den Aufwand zu minimieren (Caterer).<\/p>\n<p><strong>Teil 4: Business Smalltalk<\/strong><br \/>\nWer glaubt, die eroberte Mahlzeit nun in Ruhe einnehmen zu k\u00f6nnen, hat weit gefehlt. An der schwierigen Aufgabe, ein durchschnittliches Mehrg\u00e4ngemenu mit lockerer Konversation zu verkn\u00fcpfen, sind bereits <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=muLSpqbs4Zo\">gr\u00f6\u00dfere Talente<\/a> gescheitert. Die Chancen, von Menschen umgeben zu sein, mit denen sich die gemeinsame Gespr\u00e4chsbasis in meteorologischen Erw\u00e4gungen ersch\u00f6pft, stehen hoch &#8211; aber umso besser, denn wenn die Gespr\u00e4che zu interessant w\u00fcrden, k\u00e4me man ja nicht mehr zum essen. Die Situation bleibt dennoch t\u00fcckisch: w\u00e4hrend man mit Besteck und Kleingefl\u00fcgel k\u00e4mpft, was an sich bereits genug Herausforderung w\u00e4re, muss man versuchen, vor anwesenden Kunden und Pressevertretern eine gute Figur zu machen und Interesse und Bewunderung f\u00fcr deren absurde Geschichten heucheln. Gute L\u00fcgner meistern diese Aufgabe spielend und werden sicher bald zum Manager bef\u00f6rdert.<\/p>\n<p><strong>Teil 5: The Entertainers<\/strong><br \/>\nUm den schrecklichen Smalltalk nicht den ganzen Abend f\u00fchren zu m\u00fcssen, wird sicherlich f\u00fcr Auflockerung gesorgt: da nicht damit zu rechnen ist, dass sich hundert angetrunkene, feiernde Menschen mit sich und ihren interessanten Gespr\u00e4chen besch\u00e4ftigen k\u00f6nnen, hat die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung sicherlich irgendeine Form von Zerstreuung organisiert. Musiker sind nat\u00fcrlich Geschmackssache, Komiker ebenso, die Musikauswahl eines DJ hingegen gef\u00e4llt prinzipiell niemandem, aber einige werden schon trotzdem aus Mitleid tanzen (oder um mit ihren fantastischen Tanzstundenkenntnissen zu gl\u00e4nzen). Noch schlimmere L\u00f6sungen sind dann Zauberer, Tierdompteure und H\u00fctchenspieler. Immerhin h\u00e4lt es den Abend interessant, diese mit dem b\u00f6sen Blick zu hypnotisieren und zu hoffen, nicht in den Genuss ihrer K\u00fcnste zu kommen.<\/p>\n<p><strong>Teil 6: Teufel Alkohol<\/strong><br \/>\nUm sich von der drohenden Unterhaltung abzulenken oder besser mit ihr zurecht zu kommen, wird ein altbew\u00e4hrtes Hausmittel empfohlen: der Alkohol. Leider ist der zu solchen Anl\u00e4ssen ausgeschenkte Wein meist nicht als solcher ernst zu nehmen, und selbst wenn es eine ertr\u00e4gliche Sorte gab, wird diese sp\u00e4ter des Abends klammheimlich gegen eine ungenie\u00dfbare ausgetauscht, um den weiteren Verzehr zu minimieren. Manchmal darf man nicht w\u00e4hlerisch sein &#8211; nehmen, was man kriegen kann, ist die Devise, besonders, wenn man aufgrund von Unwilligkeit des Bedienpersonals bereits seit zwei Stunden Wasser genippt hat. Es wird empfohlen, die \u00dcbersicht \u00fcber die verzehrte Menge zu behalten, um zu vermeiden, nach Beendigung der Feier unter dem Tisch oder auf der Toilette aufgefunden zu werden, was in sofortiger Degradierung zum Firmenfu\u00dfvolk resultiert. Wenn man bereits zu dieser Gruppe geh\u00f6rt: prosit, wohl bekomm&#8217;s!<\/p>\n<p><strong>Teil 7: Der gem\u00fctliche Teil.<\/strong><br \/>\nNachdem die Alleinunterhalter fertig sind, das Bedienpersonal langsam einpackt und sogar das versp\u00e4tet dargereichte Dessert verzehrt ist, gibt es f\u00fcr die meisten keinen Grund mehr, zu bleiben, der Saal leert sich und entweder bleibt nun ein Gr\u00fcppchen \u00fcbrig, mit dem sich wirklicher Spa\u00df haben l\u00e4sst &#8211; oder man geht halt selbst auch nach Hause. In ersterem Fall sollte man sich nicht davon st\u00f6ren lassen, dass die Kellner bereits die Tische abr\u00e4umen, aufr\u00e4umen, staubsaugen und keinerlei Alkohol mehr nachschenken wollen (clevere Trinker bestellen bereits am fr\u00fchen Abend Reserven f\u00fcr sp\u00e4ter). Erst wenn schlie\u00dflich auch das letzte Schl\u00fcckchen Wasser ausgetrunken ist, sollte man tats\u00e4chlich die Heimkehr in Erw\u00e4gung ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem \u00dcberleben fremder Hochzeiten schneide ich nun ein noch kniffligeres Thema an: das \u00dcberleben von Feierlichkeiten, die in F\u00f6rmlichkeiten ertrinken, weshalb man versucht, das Problem mit Sekt wegzusp\u00fclen, was nicht selten im Desaster endet. 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