{"id":70,"date":"2010-11-24T22:02:19","date_gmt":"2010-11-24T21:02:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/?p=70"},"modified":"2010-11-25T08:43:08","modified_gmt":"2010-11-25T07:43:08","slug":"abenteuer-bahnfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/abenteuer-bahnfahren\/","title":{"rendered":"Abenteuer Bahnfahren"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #888888;\">Aus gegebenem Anlass (Festplattenbackup und damit verbundene Durchsicht uralter Daten) will ich hier mal ein Fundst\u00fcck \u00e4lteren Datums zu besten geben&#8230;<\/span><\/p>\n<p><strong>Bahntagebuch: 04.05.05 Dresden &#8211; Elsterwerda &#8211; Baruth (Mark) &#8211; Berlin Sch\u00f6nefeld &#8211; Rostock<\/strong><\/p>\n<p>Um kurz vor eins an diesem wunderbaren Mittwochnachmittag vor Himmelfahrt verabschiede ich mich von der letzten Kommilitonin, die mir noch herzliches Beileid f\u00fcr die mir bevorstehende sechseinhalbst\u00fcndige Fahrt w\u00fcnscht. Na prima, hab ja genug zu lesen dabei.<\/p>\n<p>Ich habe mir f\u00fcr dieses ziemlich lange Wochenende ausgedacht, eine Freundin in Rostock bel\u00e4stigen zu m\u00fcssen, und diese ganze Fahrt dorthin lie\u00df mich doch stark daran zweifeln, dass dieses Vorhaben gottgewollt war. Es begann\u2026 als sie mich anrief, nee Quatsch, in einer sch\u00f6n stinkigen Dresdner S-Bahn, die f\u00fcr die Fahrten nach Elsterwerda abgestellt war, was sie aber nicht daran hindern konnte, weiterhin die Strecke Bad Schandau &#8211; Mei\u00dfen Triebischtal auf allen m\u00f6glichen Anzeigen darzustellen. Ich sitze im Fahrradabteil, weil die alten Omis mit ihren Monstertrollis unbedingt Treppe steigen wollten und mir nun schon alle Pl\u00e4tze oben im Zug weggeschnappt haben. Soll noch einer von denen hilflos tun, wenn es um eine harmlose 10-cm-Stufe geht, da trag ich dann keinem mehr die Tasche rauf!!<\/p>\n<p>Wie gesagt also Fahrradabteil, ohne Fahrr\u00e4der, daf\u00fcr aber mit einigerma\u00dfen zwielichtigen Gestalten, die klappernde bunte Nylon-Einkaufsbeutel dabei haben und nach deren Inhalt riechen. Mir gegen\u00fcber sitzt eine (grob gesch\u00e4tzt?) knapp sechzigj\u00e4hrige Frau im Leinenhosenanzug, die mich die ganze Fahrt \u00fcber extrem abwertend mustert. Sowas liebe ich, wirklich. Sp\u00e4ter vergrabe ich mich aus Frust schon in meine sehr schlau gew\u00e4hlte, da so unglaublich federleichte Lekt\u00fcre zum Thema Actionscript. Siebenhundert Seiten mit vielen lustigen wiewohl \u00fcberfl\u00fcssigen Screenshots, und insgesamt wohl ein F\u00fcnf-Kilo-Buch. Das st\u00f6rt aber alles im Moment gar nicht, denn die Fahrt nach Elsterwerda verl\u00e4uft ansonsten verd\u00e4chtig reibungslos und trotz einer minimalen Versp\u00e4tung von vielleicht f\u00fcnf Minuten kriege ich noch meinen Anschlusszug (oh Wunder, der eigentlich schon h\u00e4tte weg sein sollen).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Damit h\u00e4tte ich also ungef\u00e4hr anderthalb Stunden von geplanten sechseinhalb gut \u00fcberstanden &#8211; und um die Quote nicht zu sehr zu versauen, \u00e4ndert sich das auch schlagartig. Kurz hinter Elsterwerda steigt die Jamaikanische Bobmannschaft in mein Abteil, was f\u00fcr sich noch in Ordnung w\u00e4re, da die sich was in die Ohren st\u00f6pseln und einigerma\u00dfen ruhig sind, aber ihnen folgt ihr chinesischer Fanclub! Zur Strafe daf\u00fcr, dass ich einer der b\u00f6sen Menschen bin, die es fertig bringen, allein einen Vierersitz im Zug zu okkupieren, pflanzen sie sich auch direkt um mich rum, also zwei mir gegen\u00fcber, einer zwei Reihen weiter vorn und zwei rechts hinter mir. Gut, das waren die letzten freien Pl\u00e4tze in diesem Wagen, aber in Ordnung muss ich es trotzdem nicht finden, dass sich die fr\u00f6hlichen Asiaten von der ung\u00fcnstigen Platzwahl kein bisschen in ihrem Mitteilungsdrang einschr\u00e4nken lassen. Das w\u00e4re vielleicht noch ganz lustig, wenn sie deutsch spr\u00e4chen (man ihnen also wenigstens zuh\u00f6ren k\u00f6nnte) und die aktuelle Planung keine drei Stunden davon voraussehen w\u00fcrde (also wenigstens bis Berlin durchweg).<\/p>\n<p>Aber heute meint es Gott gut mit mir! Die Chinesen schreien sich um mich rum eine halbe Stunde lang an, ohne Luft zu holen, ich habe schon lange aufgegeben, irgendwas zu lesen, da verk\u00fcndet die Ansage, dass der Zug nur noch bis Baruth f\u00e4hrt, weil ab da was mit dem Gleis nicht stimmt, und der Zugf\u00fchrer habe leider auch keine Ahnung, wie wir in diesem Schei\u00dfkaff irgendwo mitten in der Heide weiter kommen sollen. Das hab ich nur leider zu diesem Zeitpunkt nur zu einem Viertel mitgekriegt, denn die Chinesen haben es gar nicht mitgekriegt und dementsprechend auch nichts an ihrer Gespr\u00e4chslautst\u00e4rke ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Also bleibt der Zug in der Pampa a.k.a. Baruth (Mark) stehen und nachdem eigentlich alle aus meinem Abteil eine Weile verunsichert dasa\u00dfen (da sie ja alle dank der Chinesen nichts geh\u00f6rt hatten), wurde doch bald klar, dass die offenen T\u00fcren eine Aufforderung zum Aussteigen darstellen sollten, und sich erst hinter dem Letzten von uns wieder schlie\u00dfen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Prima, eine Zugladung Leute steht dumm an einem Bahngleis in einem Kuhkaff. (Davon noch wesentlich mehr Chinesen als angenommen, au\u00dferdem alte Omas und sonstige Pers\u00f6nlichkeiten, gegen die ich an diesem wundersch\u00f6nen Sommertag gern was haben m\u00f6chte.) Laut Beschriftung gibt es vier Gleise, aber zweie sind wohl beim letzten Fr\u00fchjahrsputz draufgegangen. Au\u00dfer einem kleinen (<em>wirklich<\/em> kleinen) Backsteinh\u00e4uschen ohne Funktion (und wahrscheinlich ohne T\u00fcr) und zwei Glask\u00e4sten (nicht mit nennenswerten Reiseinformationen best\u00fcckt) gibt es absolut <em>nichts<\/em> hier. Und schlie\u00dflich behauptet (in Ermangelung eines Zugbegleiters von vorhin, dessen Aufgabe das meiner Meinung nach gewesen w\u00e4re) einer der hundert Leute aus dieser mir immer suspekter werdenden Ansammlung aus Beknackten und Chinesen (also nur Beknackten, und ich schlie\u00dfe mich ein &#8211; wer f\u00e4hrt denn nach Rostock mit der <em>Bahn<\/em>?!): &#8220;Zug nach Berlin kommt gleich an Gleis vier.&#8221; Gott allein wei\u00df, wieso in solchen Situationen nur jemand beliebiges, der einigerma\u00dfen selbstbewusst klingt, eine willk\u00fcrliche Behauptung machen muss, um sofort alle hinter sich zu haben. Vermutlich h\u00e4tte er im gleichen Tonfall verk\u00fcnden k\u00f6nnen, es sei das Intelligenteste, jetzt drei Kilometer mit Sack und Pack durch den Wald zu wandern, um dann den Nahverkehrsbus nach Kassel zu nehmen, wo <em>ganz sicher<\/em> Anbindung nach Berlin und Rostock besteht. Wie dem auch sei, der Betreffende hat sich auf Gleis 4 spezialisiert und tats\u00e4chlich pilgert pl\u00f6tzlich die ganze Herde dorthin.<\/p>\n<p>An dieser Stelle w\u00fcrde ich gern kurz auf menschliche Denkstrukturen aufmerksam machen: wir reden von Haltepunkt Baruth &#8211; zwei Gleise und keine nennenswerten Schwellen. Alle zwei Stunden <em>k\u00f6nnte es sein<\/em>, dass ein Zug vorbei kommt, mit etwas Gl\u00fcck. Aber statt alle diese Tatsachen auszuwerten und zu dem Ergebnis zu kommen, dass es wahrscheinlich das Einfachste w\u00e4re, \u00fcber die Schienen zum gegen\u00fcberliegenden Bahnsteig zu wandern, klammert sich das verunsicherte deutsche Gem\u00fct am einzigen Fixpunkt seiner vor sich hin wabernden Existenz fest: <em>Regeln<\/em>. Man darf nicht \u00fcber die Gleise gehen, weder in Berlin Ostbahnhof noch in Baruth (Mark), also nehmen wir Trollis, monstr\u00f6se, mutierte Rieseneinkaufsbeutel, Bierk\u00e4sten, Handt\u00e4schchen und was sonst noch so alles im Gep\u00e4ck ist, tragen das ganze Zeug mitsamt unserem Eigengewicht drei\u00dfig halb durchgerostete Stufen hoch, marschieren in schwindelerregender H\u00f6he im Pulk von etwa hundert Personen \u00fcber eine schmale, halb durchgerostete Blechbr\u00fccke und auf der anderen Seite drei\u00dfig halbdurchgerostete Stufen wieder nach unten. Immerhin haben wir uns dadurch nicht in die Gefahr begeben, auf den Gleisen von einem herannahenden Zug \u00fcberrollt zu werden!<\/p>\n<p>Wir stehen nun also an Gleis 4, und, oh Wunder, es kommt tats\u00e4chlich bald ein Anschlusszug! Anscheinend hat unser letzter Zugf\u00fchrer einen EC entf\u00fchrt oder umgeleitet oder irgendwas, jedenfalls gibt es jetzt auf der Strecke Praha &#8211; Dresden &#8211; Berlin &#8211; Hamburg einen weiteren Haltepunkt: Baruth! Wider meinen Vorsatz hebe ich noch einer alten Oma das Gep\u00e4ck ins Abteil, dann geht&#8217;s auf Platzsuche. Das ist nicht so einfach, denn der EC ist schon bisschen was besseres, was im Klartext hei\u00dft: schmale G\u00e4nge, auf denen die versammelten Raucher rumstehen, und sich nicht wirklich daf\u00fcr interessieren, dass irgendjemand da durch will, und ansonsten geschlossene Sechserabteile mit Gardinchen dran und Lederbez\u00fcgen auf den Sitzen. Das ist alles h\u00fcbsch und sehr pers\u00f6nlich, aber hat auch zur Folge, dass das Platzangebot insgesamt ziemlich begrenzt ist. Aber nach kurzer Suche finde ich einen letzten Platz in einem bislang von drei Personen und deren Gep\u00e4ck eingenommenen Abteil. Dort sitzen bislang: ein typisches Opfer des Jung-Dynamisch-Erfolglos-Prinzips mit modischer Hornbrille, dezentem Haarschnitt und zu langer goldener Krawatte, neben ihm sein K\u00f6fferchen f\u00fcr den Abend in Berlin\/Hamburg\/Paris\/Kopenhagen nach der anstehenden Konferenz, vermutlich zu achtzig Prozent belegt durch seinen Laptop. Mir gegen\u00fcber der Bruder von Mr. T mit Glatze und in einen rot gef\u00fctterten, trotz der Totschl\u00e4gerstatur des Mannes erstaunlich gut sitzenden Nadelstreifen gestopft. Er liest Ustinov und unter seinem Sitz kullert eine halb leere Wasserflasche hin und her, w\u00e4hrend er immer w\u00fctender \u00fcber den Umstand wird, dass ich ihm gegen\u00fcber sitze, mein Rucksack so fett ist, dass er nicht unter den Sitz passt, der Rucksack deshalb vor meinen F\u00fc\u00dfen steht (und <em>auf<\/em> seinen) und \u00fcberhaupt seine beiden Mitfahrer ziemliche Ignoranten sind, wenn sie dem Rucksack eines M\u00e4dchens keinen Platz anbieten. In der schmalen Gep\u00e4ckablage \u00fcber seinem Kopf liegt sein gigantischer Plastikkoffer und scheint sich \u00fcber alle Gesetze der Schwerkraft pr\u00e4chtig zu am\u00fcsieren. Neben Mr. T2 sitzt noch ein ganz niedlicher Turbonegro-Fan &#8211; der eigentliche Grund, wieso ich wahrscheinlich dieses Abteil gew\u00e4hlt habe. Und neben dem wiederum auch sein Rucksack.<\/p>\n<p>Ich besch\u00e4ftige mich also eine Weile damit, neue Reisem\u00f6glichkeiten ab Berlin Arschderwelt (Flughafen) per Handy (wenigstens diesmal funktioniert&#8217;s; ich lerne manchmal doch aus Fehlern) von meiner Freundin abzufragen, diverse mitgebrachte B\u00fccher und Zeitschriften anzulesen und wegen meiner allgemeinen Frustration bald wieder zuzuklappen (was jedes Mal ein Kramen im Rucksack und damit den Unmut von Mr. T2 provoziert) und nerv\u00f6s auf meinen Knien zu trommeln. Ich erwarte die totale Niederlage. Dauert nicht mehr lang.<\/p>\n<p>Kurz hinter Baruth gibt es einen &#8220;B\u00f6schungsbrand&#8221; (interessant, all diese Bahn-B\u00f6schungsbr\u00e4nde bei eigentlich feuchtem Wetter), was hei\u00dft wir sitzen zwar in einem Anschlusszug nach Berlin, aber der steht jetzt auch nur noch dumm auf der Strecke rum. Ich fahre mit meinen interessanten, die schlechte Laune der anderen herausfordernden T\u00e4tigkeiten fort, erweitert durch: den Reiseplan des aufstrebenden Selbst\u00fcbersch\u00e4tzers stibitzen, feststellen, dass ich in einem Zug sitze, der nicht ann\u00e4hernd plant, mich an den angestrebten Zielort Rostock zu bringen und au\u00dferdem eine ganze Menge Versp\u00e4tung hat, sodass s\u00e4mtliche Informationen \u00fcber Anschlussz\u00fcge ab Berlin Nonsens sind. Au\u00dferdem besitze ich, in der objektivsten Auslegung der Realit\u00e4t betrachtet, gar kein EC-Ticket. Die Wucht dieser versammelten Erkenntnisse treibt mich dazu, die n\u00e4chsten zwanzig Minuten damit zu verbringen, die \u00c4rger-, Frust- und Sorgenfalte \u00fcber meiner Nase zu vertiefen.<\/p>\n<p>Das mit dem EC-Ticket merkt keiner, da der Raumflug in die Baruthsche Pampa offenbar sicherheitshalber unbemannt durchgef\u00fchrt wurde. Keiner da, um Karten zu knipsen, aber eben auch keiner, um mir zu sagen, was zur H\u00f6lle ich eigentlich in Berlin Sch\u00f6nefeld soll. Dorthin ist n\u00e4mlich der Zug nach nur einer halben Stunde Wartezeit wegen des Feuers tats\u00e4chlich wieder unterwegs. Bald wird von einer k\u00f6rperlosen Phantomstimme Berlin durchgesagt, und ich komme kurz mit meinen Mitfahrern ins Gespr\u00e4ch. Der beschlipste BWL-Diplomand meint, der B\u00f6schungsbrand h\u00e4tte ziemlich fernab vom Gleis stattgefunden (keiner von uns hatte \u00fcberhaupt was davon gesehen), und vermutlich musste nur noch der Dorfgendarm dahin radeln, das Ganze mal anschauen und selbstgef\u00e4llig dazu nicken, ehe wir weiter durften. Schlie\u00dflich wird der merkw\u00fcrdige Halt in Baruth er\u00f6rtert, was ich aber schnell aufl\u00f6sen kann, worauf das Thema schnell darauf umschwenkt, dass ich plane, am Bahnhof Sch\u00f6nefeld meinen Rucksack von den F\u00fc\u00dfen von Mr. T2 zu nehmen und auf einen Anschluss nach Rostock zu warten. Der hornbebrillte Businessman sinniert noch \u00fcber die M\u00f6glichkeit, dass ich genauso gut in Berlin Ost raus k\u00f6nnte, aber alles in allem doch besser <em>gleich<\/em>, gut, ich tu euch den Gefallen, ich muss ja wirklich ganz sch\u00f6n gruselig sein. Kurze Segensw\u00fcnsche und freundliches Nicken von dem Turbonegro-Freak auf dem Bahnsteig, bevor er seiner Wege geht und ich mir endlich ein Klo suche.<\/p>\n<p>Ich wandere also durch die endlose Unterf\u00fchrung von Sch\u00f6nefeld, folge den Schildern, durchquere eine kleine Lagerhalle und finde eine Ansammlung ziemlich verkeimter gr\u00fcner DDR-Toiletten, Besuch kostet offiziell 50 Cent, aber die Klomannschafft ist eh viel zu versifft, um noch zu merken, dass ich kein Kleingeld f\u00fcr diese Marter zur\u00fccklasse. Anschlie\u00dfend steht ein Besuch in der B\u00e4ckerei Ditsch an, die anscheinend in meinem verwirrten Reisegeist die feste Bezugsgr\u00f6\u00dfe darstellt. Die verteilt hier als Entsch\u00e4digung f\u00fcr den Zustand der Toiletten oder die allgemeine Unertr\u00e4glichkeit des ganzen Bahnhofs kostenlose Traubenzucker. So gest\u00e4rkt gehe ich zur\u00fcck zum Gleis, prima, nur noch eine Stunde warten, bis der Zug geht, mit dem ich genauso gut von daheim aus h\u00e4tte fahren k\u00f6nnen, wenn ich vorher noch zwei Stunden l\u00e4nger gefaulenzt h\u00e4tte. Was stell ich jetzt mit dieser ganzen Zeit an? Nun, daf\u00fcr wird gesorgt. Anscheinend habe ich ein mir bisher unsichtbares &#8220;Talk to me&#8221;-Schild auf die Stirn getackert, jedenfalls kommen innerhalb dieser Stunde alle naslang wildfremde Menschen auf mich zu, bitten mich auf deutsch, englisch, franz\u00f6sisch oder hindi, ihnen den Weg zum Fahrkartenschalter oder -automaten zu erkl\u00e4ren (der Trick am Bahnhof Sch\u00f6nefeld ist: es gibt nichts in der Art!) oder mal kurz auf ihr Gep\u00e4ck aufzupassen. <em>W\u00fcrden Sie jemandem so vertrauen, der von Kopf bis Fu\u00df schwarz tr\u00e4gt und einen Zombie auf den R\u00fccken gedruckt hat?!<\/em> Ich jedenfalls nicht. Das macht mir Angst.<\/p>\n<p>Nachdem ich tapfer eine Stunde lang mit meinem Traubenzucker und einem ganz guten Buch am Bahnsteig gesessen und vorbeifahrende G\u00fcterz\u00fcge beobachtet hatte, wurde meine Geduld belohnt! Der Zug nach Rostock traf ein, die nervt\u00f6tenden Mitfahrer hatten sich in Luft aufgel\u00f6st. Nachdem ich zwei Stationen an der T\u00fcr sa\u00df und dort auf der Suche nach einem warmen Pullover meinen Rucksack komplett aus- und wieder einger\u00e4umt hatte, siedelte ich um ins Obergescho\u00df, wo ein Rentnerehepaar mit Enkelchen vor mir sa\u00df, beide anscheinend geb\u00fcrtige Berliner und mit einer enormen Allgemeinbildung ausgestattet, sodass ich gleich noch bis Spandau an ihrer kostenlosen Berliner Stadtf\u00fchrung f\u00fcrs Enkelkind teilnehmen konnte, wobei ich immerhin mitgekriegt habe, dass die Spree nicht mal ann\u00e4hernd in die Ostsee flie\u00dft (wie ich eigentlich gehofft h\u00e4tte), sondern nur in die Havel, die wiederum in die Elbe und das ganze ja in die Nordsee. Prima, wieder was gelernt.<\/p>\n<p>Nachdem die drei nun in Spandau gegangen waren, kam ein etwas merkw\u00fcrdiger Typ auf diesen Platz, der bis Rostock eine Flasche Martini und zwei Biere komplett austrank\u2026 gut, das sind auch drei Stunden, aber ich wollte den Rekord nur ungern brechen. (Denn wenn ich ihn brechen w\u00fcrde, m\u00fcsste ich wohl brechen\u2026 doofer Scherz am Rande.) Der war anscheinend schon so dicht, dass er sich k\u00f6stlich dar\u00fcber am\u00fcsieren konnte, wie vier Tussis weiter hinten im Abteil lautstark berieten, wie wohl franz\u00f6sische K\u00fche muhen. Nachdem diese vier ausgestiegen waren, fing er an zu versuchen, nacheinander alle Leute, die in seiner n\u00e4heren Umgebung sa\u00dfen, in gelallte Gespr\u00e4che zu verwickeln und sich Flaschen\u00f6ffner und als solche verwendbare andere Gegenst\u00e4nde auszuleihen. Ich bin als einzige verschont geblieben &#8211; anscheinend fangen die schwarze Farbe und das Zombiebild doch langsam zu wirken an.<\/p>\n<p>Irgendwo an der Ostsee wurde dann sogar noch mein Ticket kontrolliert und ich kam mit l\u00e4cherlichen zwei Stunden Versp\u00e4tung in Rostock an, eine Stunde zu sp\u00e4t f\u00fcr den Einlass zum geplanten Konzert, wo dann auch noch mein kompletter dicker Rucksack kontrolliert werden musste, unglaublich\u2026 Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erz\u00e4hlt werden. Oder auch nicht, is ja alles halb so wichtig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus gegebenem Anlass (Festplattenbackup und damit verbundene Durchsicht uralter Daten) will ich hier mal ein Fundst\u00fcck \u00e4lteren Datums zu besten geben&#8230; Bahntagebuch: 04.05.05 Dresden &#8211; Elsterwerda &#8211; Baruth (Mark) &#8211; Berlin Sch\u00f6nefeld &#8211; Rostock Um kurz vor eins an diesem &hellip; <a href=\"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/abenteuer-bahnfahren\/\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12,1],"tags":[31,32],"class_list":["post-70","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lebenshilfe","category-help","tag-bahn","tag-tagebuch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}