{"id":54,"date":"2009-09-08T21:17:46","date_gmt":"2009-09-08T19:17:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/?p=54"},"modified":"2009-09-08T21:17:46","modified_gmt":"2009-09-08T19:17:46","slug":"uber-lebenshilfe-fremde-hochzeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/uber-lebenshilfe-fremde-hochzeiten\/","title":{"rendered":"(\u00dcber-) Lebenshilfe: Fremde Hochzeiten"},"content":{"rendered":"<p>Heiraten ger\u00e4t aus der Mode? Von wegen! W\u00e4hrend manche (=ich) sich gar nicht vorstellen k\u00f6nnen, was zwei geistig gesunde junge (oder auch nicht &#8211; im Schaufenster von Fotografenl\u00e4den haben Landhausstil-Hochzeiten von P\u00e4rchen nahe der Midlifecrisis klar die Vormachtstellung) Menschen bewegt, sich diesen Stress zu machen, planen andere praktisch seit ihrer Geburt diesen romantischen Tag und z\u00f6gern schlie\u00dflich auch nicht, alle ihnen bekannten Personen dazu einzuladen &#8211; auch die der erstgenannten Gruppe. (Die einzig noch m\u00f6gliche Steigerung ist, darauf zu bestehen, dass die Personen der erstgenannten Gruppe als Brautjungfer im rosa T\u00fcllkleid fungieren.)<br \/>\nSelbst wenn man gar nicht selbst heiraten muss, hat man vor, auf und nach Hochzeiten immer noch einiges durchzustehen, aber wir w\u00e4ren kein \u00fcberaus erfolgloses Lebenshilfeblog, wenn wir euch diesbez\u00fcglich nicht an die Hand nehmen und mit guten Ratschl\u00e4gen versorgen w\u00fcrden. Here we go!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Teil 1:<\/strong><strong> Vor der Hochzeit<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Where is the vodka, where&#8217;s marinated herring?<br \/>\nWhere is the supply that gonna last three days?<\/p><\/blockquote>\n<p>Hochzeitspaare leiden gern an Realit\u00e4tsverlust, daher sollte man damit rechnen, um die Mittagszeit eingeladen zu werden, aber nicht zu einem opulenten Menu, sondern einer zweist\u00fcndigen Trauungszeremonie, w\u00e4hrend der es schon \u00e4u\u00dferst unangebracht w\u00e4re, auch nur einen Keks zu essen. Wahrscheinlich vergibt das Standesamt von vornherein nur solche Termin, um den Ernst der Sache zu betonen. Tipp: such dir entweder einen Job, der dir verbietet, an einem Wochentag um die Mittagszeit verf\u00fcgbar zu sein, oder hol dir vor der Trauung einen D\u00f6ner am Bahnhof &#8211; der kr\u00fcmelt und knackt beim Essen weniger als ein Keks.<br \/>\nMenschen, die Braut oder Br\u00e4utigam besonders nahe stehen, sind in diesem Zeitraum zu meiden, da sie die Planung der Festivit\u00e4ten fest in ihrer Hand halten und sicherlich f\u00fcr jeden eine Aufgabe finden. Dabei ist die Planung keineswegs koordiniert, sodass am besten alles mehrmals oder gar nicht erledigt wird, am Ende die Brautmutter in der Hochzeitsnacht den Kartoffelsalat f\u00fcr die Nachfeier im Garten zubereiten muss oder gleich drei Baumst\u00e4mme zum Zers\u00e4gen vor Ort angeliefert werden.<\/p>\n<p><strong>Teil 2: Die Hochzeitsfeier<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Instead it&#8217;s one in the mornin&#8217;<br \/>\nand DJ is patchin&#8217; up the cords<br \/>\nEverybody&#8217;s full of cake<br \/>\nStaring at the floor<\/p><\/blockquote>\n<p>Einige Dinge erreichen zwar erst zum Zeitpunkt der eigentlichen Hochzeitsfeier ihren H\u00f6hepunkt an Wichtigkeit, aber es schadet nicht, sich schon vorab ein paar Gedanken zu machen. Das wichtigste ist nat\u00fcrlich das Geschenk f\u00fcr&#8217;s Brautpaar. Im Idealfall wurde im Vorfeld eine Kontonummer oder eine Wunschliste bekanntgegeben, um die Zuwendungen zu koordinieren, im schlechteren Fall muss man sich selbst Gedanken machen. Einschl\u00e4gige Internetseiten (unser Lieblings-Lebenshilfeportal bietet hier leider keine Hilfe &#8211; falsches Zielgruppenalter) zeigen zumindest Millionen von Wegen, einen F\u00fcnfeuroschein ansehnlich zu verpacken, sei&#8217;s als F\u00fcnfeuroschein oder Origamispinne (wertvoller Insidertipp: beim Basteln unbedingt weniger als die H\u00e4lfte des Scheins zerschneiden, damit er g\u00fcltig bleibt). Gaben zur Gr\u00fcndung eines Haushalts (B\u00fcgelbrettbez\u00fcge, Salatschleudern, Unterr\u00f6cke) haben in der heutigen Zeit leider einen etwas altbackenen Beigeschmack; besser sind trendige T-Shirts f\u00fcr&#8217;s Paar, wahlweise mit Game-Over-Aufdruck oder lustig grinsenden Comic-Brautpaaren. Merke: Glitzern kann es nie zuviel!<br \/>\nBei der Feier gibt es eine vorgeschriebene Kleiderordnung, selbst wenn das nicht in der Einladung steht. Eine Mottohochzeit (Country-Festival\/Dornr\u00f6schen\/Tiefseetauchen\/Lacrimosa) bietet den Vorteil, dass jene Kleiderordnung allen klar ist, man allerdings den \u00f6rtlichen Kost\u00fcmverleih \u00fcberfallen muss &#8211; bei anderen Hochzeiten gen\u00fcgt es, auf der Suche nach dem ersten festlichen Kleidungsst\u00fcck seines Lebens zu verzweifeln. Merke: schwarz passt zwar gut zu allem und ist auch ausreichend im Kleiderschrank vorhanden, wirkt auf derart von Gl\u00fcck geschw\u00e4ngerten Festivit\u00e4ten aber vielleicht zu morbide. In jedem Fall wird man sich das Styling auf dem Weg zur Feier sowieso versauen, besonders, wenn man sich dazu \u00fcber zwei Stunden lang den Freuden des Bahnfahrens aussetzt. Ein weiterer wertvoller Tipp: so bequem die sonst seltenst getragenen Festtagsschuhe erscheinen m\u00f6gen, bei Laufstrecken &gt; 500m werden sie f\u00fcr den Fu\u00df zur Qual, der \u00fcbrigens seit dem letzten Mal auch viel dicker und breiter geworden ist.<br \/>\nNach allem Aufwand, den man in die Feier einbringt: was nimmt man mit von einem solchen Fest? &#8211; Hoffentlich ein breites Grinsen, weil man selbst noch so wunderbar vogelfrei ist, und dazu zwei Kilo mehr auf den Rippen! Dazu sollte man fr\u00fchzeitig herausfinden, wo an den \u00d6rtlichkeiten der Feier der Quell f\u00fcr Speisen und Getr\u00e4nke liegt und sich diesem anschlie\u00dfend so nah wie m\u00f6glich positionieren. Falls es Platzk\u00e4rtchen gibt, muss man entweder im Vorfeld doch Kontakt mit den Organisatoren in Betracht ziehen, um seine Positionierung zu sichern, oder (besser) diese geschickt vertauschen, auch wenn das bedeutet, sich den Rest des Abends mit einer Buchhalterin \u00fcber Kochrezepte zu unterhalten.<br \/>\nWas man derweil meiden sollte, ist die N\u00e4he zur Tanzfl\u00e4che, denn hier k\u00f6nnen leicht f\u00fcnf Jahre verdr\u00e4ngte Traumata von vergangenen Kinderfaschingsfeiern wieder hochkommen. Mit steigender Blutalkoholkonzentration der G\u00e4ste und vor allem des Paars w\u00e4chst auch rapide die Bereitschaft, sich in Ententanz und der Reise nach Jerusalem zu ergehen. All das ist mit steigender eigener Blutalkoholkonzentration durchaus leichter zu ertragen; das gleiche gilt f\u00fcr den DJ, der wahrscheinlich einen empfindlichen Sensor f\u00fcr die Empfindlichkeit der G\u00e4ste hat und proportional zu dieser die Ertr\u00e4glichkeit seiner dargebotenen Musikst\u00fccke staffelt. Wenn sich der Abend mit dem Wurf des Brautstrau\u00dfes (wenn man unbeteiligt genug tut, bem\u00fcht sich in der Regel schon jemand anders darum), einer Polon\u00e4se und dem gemeinsamen Singen von &#8220;Sex Bomb&#8221; seinem H\u00f6hepunkt n\u00e4hert, sollte man schlie\u00dflich unbedingt und unauff\u00e4llig nach Hause verschwinden.<\/p>\n<p><strong>Teil 3: Die unvermeidliche Hochzeitsnachfeier<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>And this whole fucking thing<br \/>\nIs just a one huge disappointment<\/p><\/blockquote>\n<p>Da eine Hochzeitsfeier mit 20-50 G\u00e4sten in der Regel nicht genug ist, um alle gl\u00fccklich zu machen, gibt es eine oder mehrere Nachfeiern im Kreis der &#8220;Lieben&#8221;. Vorteil hierbei ist, dass diese meist in heimischen Gefilden ausgetragen werden, d. h. hausgemachter Kuchen statt \u00fcbercremter Hochzeitszuckertorte, die Chance auf einen Tee, der nicht mit lauwarmem Wasser auf einen kleinen Papierbeutel gebr\u00fcht wird, Bier statt Edelsekt und Grillfleisch statt Gourmet-Canap\u00e9s. Also ein Erfolg auf der ganzen Linie, wenn man sich mit den richtigen, unterhaltsamen Personen umgibt, die es in einer Ansammlung von so vielen Menschen rein statistisch eigentlich geben muss. Wenn noch dazu die Regel gilt, dass alle G\u00e4ste ihre Platzkarten im weiteren Verlauf als Namensschildchen an Hemd oder Bluse tragen m\u00fcssen, vermeidet man die Peinlichkeit, die Namen entfernter und nie vorher gesehener Gro\u00dfkusinen st\u00e4ndig zu vergessen und umschifft somit die letzte wirkliche Klippe dieser ansonsten zwanglosen Angelegenheit.<\/p>\n<p><strong>Teil 4: Wenn alles vorbei ist<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>So be you Donald Trump<br \/>\nOr be an anarchist<br \/>\nMake sure that your wedding<br \/>\nDoesn&#8217;t end up like this<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach den Feierlichkeiten wird sich sprungartig alles Festliche verfl\u00fcchtigen. Gekn\u00fcpfte Kontakte stellen sich als reine soziale Gepflogenheit heraus (nat\u00fcrlich tauscht man Mailadressen, aber ernsthaft&#8230;) und das gl\u00fcckliche Paar sucht entweder schnellstm\u00f6glich das Weite, um in einem Urlaub in gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Entfernung von den G\u00e4sten den &#8220;einen Tag&#8221; ins rechte nostalgisch-verz\u00fcckte Licht eintauchen zu k\u00f6nnen, oder wechselt eben nur desillusioniert dem Kind die Windeln, in dem Wissen, dass die Welt immer noch kein besserer Ort geworden ist. Mir ist klar, dass dieser Schluss kein m\u00e4rchenhaftes &#8220;Happily Ever After&#8221; ausstrahlt, aber das M\u00e4rchen liegt eben allein an den Beteiligten. Und ein Tag, auf dem der Druck lastet, der sch\u00f6nste eines ganzen Lebens zu werden, wird in den seltensten F\u00e4llen den Erwartungen gerecht. Aber ich lasse mich gern belehren (nicht bekehren) von Manu und allen anderen. Und m\u00f6chte anmerken, dass Hochzeiten trotz allem ein gro\u00dfer Spa\u00df sind &#8211; solange man nicht selbst heiratet. Cheers! <\/p>\n<p>Demn\u00e4chst oder sp\u00e4ter von Manu: \u00fcberleben der eigenen Hochzeit &#8211; mit exklusivem Beitrag von Juja zum \u00dcberleben des Brautjungfernkleids. (Alle Zitate von der besten Band der Welt.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiraten ger\u00e4t aus der Mode? Von wegen! 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