{"id":19,"date":"2008-05-28T13:43:07","date_gmt":"2008-05-28T12:43:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/?p=19"},"modified":"2008-05-29T15:20:16","modified_gmt":"2008-05-29T14:20:16","slug":"alles-klar-beim-vorstellungsgesprach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paintedhell.de\/blag\/alles-klar-beim-vorstellungsgesprach\/","title":{"rendered":"Alles klar beim Vorstellungsgespr\u00e4ch!"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem Manu und ich in den letzten Monaten gef\u00fchlt hundert Vorstellungsgespr\u00e4che hatten, nutzen wir unser geballtes Wissen aus <a href=\"http:\/\/www.bravo.de\/online\/render.php?render=55553\" target=\"_blank\">verl\u00e4sslicher Quelle<\/a>, um euch tolle Tipps f\u00fcr euer erstes Vorstellungsgespr\u00e4ch zu geben. Und zwar vielleicht sogar mal welche, die die Personalchefs noch nicht kennen.<\/p>\n<p><strong>1. Hinkommen<\/strong><\/p>\n<p>Du solltest im Normalfall eine Adresse haben. Googlemaps teilt dir mit Freuden mit, wie du diese Adresse von dir aus erreichst und, falls du mit dem Auto f\u00e4hrst, wie lange du brauchst. Wer am Tag zuvor probehalber schonmal hinf\u00e4hrt, hat zuviel Zeit und macht sich l\u00e4cherlich. Autofahren empfehlen wir nur Leuten mit starken Nerven &#8211; jeder normale Mensch ist vor solchen Gespr\u00e4chen eine Gefahr f\u00fcr den Stra\u00dfenverkehr. Daher sind \u00f6ffentliche Verkehrsmittel besser &#8211; allerdings ist dabei eure Ankunft nie garantiert. Unser Tipp also: pack einen Kompass ein und geh zu Fu\u00df! Alles, was du innerhalb eines Tages auf diese Weise nicht erreichen kannst, ist als Arbeitsplatz sowieso inakzeptabel.<\/p>\n<p><strong>2. Rumstehen<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong>In den meisten F\u00e4llen wirst du nicht direkt zu deinem Gespr\u00e4chspartner gef\u00fchrt, sondern dieser hat den Termin vergessen bzw. sich noch drei weitere gleichzeitig eingeplant, sodass du warten musst. Die Peinlichkeit dieser Situation wird maximiert, wenn du die Wartezeit neben einem Mitarbeiter sitzend verbringen sollst. F\u00fchl dich zu Recht beobachtet! Alle intelligenten Fragen, die du jetzt nicht stellst, gelten als Desinteresse. Alle Fragen, die du stellst, gelten als Mitarbeiter-von-der-Arbeit-abhalten-und-zu-Tode-nerven.<\/p>\n<p><strong>3. Begr\u00fc\u00dft werden<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong>Es gilt: Sie werden platziert. Setz dich, wo du dich setzen sollst. Nimm ein Wasser &#8211; wer wei\u00df warum, aber das ist immens wichtig. Du wirst es bis zum Schluss vor Aufregung nicht anr\u00fchren, am Ende stehenlassen (unh\u00f6flich) oder runterkippen (unfein, und verursacht einen starken Harndrang, sowie du die Firma verlasse hast). Dauerl\u00e4cheln, obwohl du dich f\u00fchlst wie auf dem Schafott. Du wirst niemals dem Kleidungsstil deiner Gespr\u00e4chspartner entsprechen &#8211; entweder peinlich overdressed oder viel zu bequem. Also versuch&#8217;s gar nicht erst. Dein Kleiderschrank bietet keine richtige Option.<\/p>\n<p><strong>4. Widerspr\u00fcchliche Ziele<\/strong><\/p>\n<p>Der Personalchef\/dein Interviewpartner\/wer immer da sitzt, will einen erfahrenen, blutjungen Mitarbeiter, ca. 20, Auslandsaufenthalte (aber auch wieder nicht zu viele), Studium, Doktortitel, f\u00fcnf Sprachen flie\u00dfend, blendende F\u00e4higkeiten in allen dein Fachgebiet streifenden Bereichen. Das steht in krassem Gegensatz zu deinem Ideal: pro Woche 20 Stunden leichte Forschungst\u00e4tigkeit ohne jegliche Kernarbeitszeiten, bei Abwesenheit des Chefs, j\u00e4hrlich 40 Tagen Urlaub und f\u00fcrstlicher Bezahlung. Ihr k\u00f6nntet anecken. Andererseits: warum sich mit weniger zufriedengeben?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>5. Interview<\/strong><br \/>\nEs gibt prinzipiell zwei Arten von Interviews, und du solltest herausfinden, vor welcher Art du stehst.<\/p>\n<p><em><strong>5.1 Schon-gewonnen-Interview<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Nachdem dir eingangs die Firma und dein k\u00fcnftiges B\u00fcro sowie die extra f\u00fcr dich gekaufte zus\u00e4tzliche Kaffeetasse gezeigt wurden, kommst du etwa f\u00fcnf Minuten lang zu Wort. In dieser Zeit darfst du deinen Lebenslauf auswendig wiedergeben, weil dein Interviewpartner keine Lust hatte, ihn zu lesen. Er wird nicht zuh\u00f6ren und alles hinnehmen. Falls er etwas kritisiert, ist es v\u00f6llig egal, wie du dich herausredest.<\/p>\n<blockquote><p>Du: Ich habe zehn Jahre lang in Bielefeld studiert.<br \/>\nIP: Ist das nicht ziemlich lang?<br \/>\nDu: Ja, ich musste zwischendurch eine zweij\u00e4hrige Haftstrafe absitzen.<br \/>\nIP: Achso, na dann &#8211; prima.<\/p><\/blockquote>\n<p>Pro: Du kannst nichts verkehrt machen. Dir wird wohlwollend zugeh\u00f6rt, du lachst pflichtschuldigst \u00fcber die Scherze des k\u00fcnftigen Vorgesetzten und wirst sicherlich bald eingestellt.<\/p>\n<p>Con: Die Firma ist extrem verzweifelt, wenn sie sogar dich bedenkenlos einstellen w\u00fcrde: finde also den Haken! Ist der Job todlangweilig? Die Bezahlung schlecht? Die B\u00fcros umgebaute S\/M-Studios? Macht der Chef Rundg\u00e4nge mit Peitsche und Morgenstern? Oder hat das ganze etwa gar mit Datenbanken zu tun? Unterhalte dich mit Mitarbeitern. Gerade wenn du Informatiker bist, werden dir andere Informatiker bereitwillig sagen, dass sie ihren Job hassen.<\/p>\n<p><em><strong>5.2 Blamier-dich-Interview<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Du antwortest etwa anderthalb Stunden lang auf Fragen, die abgelesen werden. Deine Antworten werden notiert und sp\u00e4ter in einem Neuralen Netz gegen das Bild des perfekten Stellenanw\u00e4rters (s. o.) ausgewertet. Niemand trifft dieses Bild. Es wird ein wenig \u00dcbung erfordern, aber nimm&#8217;s locker. Die Gegenseite will dich m\u00fcrbe spielen. \u00c4rger sie zur\u00fcck. Gib Antworten, mit denen ihr Computer nichts anfangen kann!<\/p>\n<p>Falsch:<\/p>\n<blockquote><p>IP: Sie haben ein Diplom in Physik? Was hab ich mir darunter vorzustellen?<br \/>\nDu: Ich kenne mich gut mit Ramanspektroskopie aus und habe Halbleiter erforscht.<br \/>\nIP (zieht abwertend die Augenbraue hoch): Wie kommt man darauf, sowas zu tun?!<\/p><\/blockquote>\n<p>Vielleicht richtig, aber bislang unerprobt:<\/p>\n<blockquote><p>IP: Sie sind Informatiker? Wieso das denn?!<br \/>\nDu: Ich liebe die Sonnenunterg\u00e4nge auf Alpha Centauri.<br \/>\nIP: Das m\u00fcssen Sie mir erkl\u00e4ren.<br \/>\nDu: Nein.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie gesagt, du hast keine Chance, au\u00dfer der, deine Worte f\u00fcr die Nachwelt auf Papier zu bannen &#8211; besser noch, bannen zu lassen! Ein Klassiker f\u00fcr diesen Zweck w\u00e4re also:<\/p>\n<blockquote><p>IP: Haben Sie praktische Erfahrungen?<br \/>\nDu: Mehr Licht!<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>6. Fangfragen<\/strong><\/p>\n<p>Diese werden nur bei Interviewtyp 2 gestellt &#8211; denn die wollen dich ja loswerden! Hier eine Sammlung der Klassiker mit Antwortvorschl\u00e4gen. Ihr k\u00f6nntet euch Antworten \u00fcberlegen und mitbringen. Aber es wird nicht klappen &#8211; auch die werden nicht besser ankommen als unsere Beispiele.<\/p>\n<ul>\n<blockquote>\n<li>Was sind Ihre Schw\u00e4chen? Was an sich w\u00fcrden Sie gern \u00e4ndern? Wo sehen Sie bei sich den gr\u00f6\u00dften Handlungsbedarf? &#8211; Ich bin unkommunikativ, nicht teamf\u00e4hig, ziemlich faul und nicht \u00fcberragend clever. Ich w\u00fcrde gern sch\u00f6nere Haare haben.<\/li>\n<li>Wenn ich Ihre beste Freundin nach Ihren besten Eigenschaften frage, was sagt sie mir dann? &#8211; Meine Freundin redet nicht mit komischen Leuten wie Ihnen.<\/li>\n<li>Welche Aufgaben w\u00fcrden Sie denn \u00fcberhaupt nicht m\u00f6gen? &#8211; Naja, so xy kann ich gar nicht ausstehen. &#8211; Ach, xy? Das hatten wir ganz vergessen, in die Anzeige zu schreiben&#8230; das w\u00fcrde Ihre Hauptaufgabe sein.<\/li>\n<li>Was haben Sie zuletzt gelesen? &#8211; Die Micky Maus, letzte Woche. &#8211; Aber Sie lesen manchmal auch B\u00fccher? &#8211; Kann sein, ja&#8230; &#8211; Und welches Buch zuletzt? &#8211; Ich glaube, es war gr\u00fcn.<\/li>\n<li>Wenn Ihr Partner weit wegzieht, was tun Sie dann? &#8211; Ich ziehe ohne Vorwarnung genausoweit weg und gehe zur Konkurrenz. (He, was sonst?!)<\/li>\n<li>Was sind Ihre Hobbys? &#8211; Ich zeichne Comics, die mein Berufsleben l\u00e4cherlich machen.<\/li>\n<li>Was wissen Sie \u00fcber unsere Arbeit hier und was halten Sie davon?<\/li>\n<li>&#8230;<em><br \/>\n<\/em><\/li>\n<\/blockquote>\n<\/ul>\n<p><strong>7. Besondere \u00dcberraschungen<\/strong><\/p>\n<p>Zuletzt noch eine Zusammenfassung erprobter Finten k\u00fcnftiger Arbeitgeber. Alles kann passieren. Nachdem das nun schon passiert ist, passiert euch was schlimmeres.<\/p>\n<ul>\n<li>Das Gespr\u00e4ch findet auf Englisch statt. Du musstest ja behaupten, flie\u00dfend Englisch zu sprechen!<\/li>\n<li>Das Gespr\u00e4ch findet in einem vollverglasten Raum statt, der von der Stra\u00dfe aus von grimassenschneidenden Fu\u00dfg\u00e4ngern eingesehen wird, die dich zum Lachen bringen, aber leider hinter der Personalchefin stehen.<\/li>\n<li>Der Personalchef holt sich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch Unterst\u00fctzung: Den Manager Support, den Manager Application und den Manager Improvement&#8230; Zum Gl\u00fcck hat aber der Manager Management schon was besseres vor.<\/li>\n<li>Das Gespr\u00e4ch dient nicht zur Erforschung deiner Qualifikation, sondern es wird nur deine letzte Firma durch den Schmutz gezogen und anschlie\u00dfend der plumpe Versuch unternommen, dir irgendwelche Interna der Konkurrenz zu entlocken.<\/li>\n<li>Es wird erwartet, dass die Probearbeitszeit unentgeltlich stattfindet &#8211; deine Miete bezahlt sich ja schlie\u00dflich von allein&#8230;<\/li>\n<li>Dem Chef f\u00e4llt zum Ende eines ann\u00e4hernd zweist\u00fcndigen Schwei\u00dfmarathons deinerseits ein, dass die Kapazit\u00e4ten der Firma ausgelastet sind und kein Mitarbeiter mehr gebraucht wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>8. Die Zeit danach<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Auch hier gibt es wieder mehrere M\u00f6glichkeiten, die eine Fallunterscheidung n\u00f6tig machen.<\/p>\n<p><strong><em>8.1 Wir melden uns!<\/em><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Was angeblich ja schon das letzte ist, was man <a href=\"http:\/\/www.bravo.de\/online\/render.php?render=10601\" target=\"_blank\">nach &#8216;nem ONS<\/a> zugesagt bekommt, ist auch hier die freundliche Version von &#8220;Wenn Sie nur halb so entt\u00e4uscht von uns sind wie wir von Ihnen, sind Sie auch gl\u00fccklich, wenn wir einfach stillschweigend vergessen, dass wir uns jemals getroffen haben.&#8221; Von sich aus absagen kann man teilweise auch nicht, wenn das Unternehmen schon im Vorfeld geschickt genug war, keinerlei Kontaktdaten bekanntzugeben.<\/p>\n<p><em><strong>8.2 Sie haben den Job!<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wenn du ihn haben wolltest: Gl\u00fcckwunsch! Wenn nicht: Wieso hast du Depp dich dann \u00fcberhaupt erst beworben? Sieh selbst zu, wie du da wieder rauskommst! Oder unterschreib halt einfach &#8211; sich jeden Tag aufs Neue dar\u00fcber \u00e4rgern zu k\u00f6nnen, sichert schon langfristig die Tagesaufgaben!<\/p>\n<p>Gut, das war&#8217;s an Weisheit. Vielleicht demn\u00e4chst von Manu: &#8220;Wie man einen HartzIV-Antrag ausf\u00fcllt&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem Manu und ich in den letzten Monaten gef\u00fchlt hundert Vorstellungsgespr\u00e4che hatten, nutzen wir unser geballtes Wissen aus verl\u00e4sslicher Quelle, um euch tolle Tipps f\u00fcr euer erstes Vorstellungsgespr\u00e4ch zu geben. 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